Was hat Plastikabfall mit Vegetarismus und Tieren zu tun? Ganz einfach: Er leistet einen großen Beitrag zum Müllberg, zur Verschmutzung der Flüsse und Meere mit Plastikteilen, in denen sich Tiere verfangen oder welche gar von Tieren aufgenommen werden, wodurch sie auch sterben können. Die Fotos von Säuberungsaktionen an Stränden oder Dokumentarfilme wie Plastic Planet sprechen ihre eigene erschreckende Sprache und sollten jeden zum Nachdenken über den eigenen Plastikgebrauch anregen.

Auswirkung auf Umwelt, Tiere und Gesundheit

Der menschliche Einfluss auf die Natur markiert die Erde inzwischen so stark, dass internationale Forschergruppen bereits einen Namen für diese neue Epoche gefunden haben: das Anthropozän. Dieses ‘Menschenzeitalter’ wird durch menschenverursachte und schwer abbaubare Abfälle noch in weiter Zukunft zu identifizieren sein.

In vielen Tieren, die im und vom Meer leben, werden bereits große Mengen Plastik im Körper gefunden. Plastik beinhaltet viele Chemikalien, die beim Abbau frei werden und Wachstum und Entwicklung von Fischen, Meeresschildkröten oder Eisbären stören. Plastikteile werden oft mit Futter verwechselt, häufig befinden sich etwa die Kappen von Plastikflaschen in den Mägen toter Seevögel. Beim Nestbau verwenden Vögel neuerdings ebenfalls Plastikabfälle, eine bunte Katastrophe, da sich die Küken darin häufig verfangen und dann verhungern müssen (plasticontrol.de).

Nicht zuletzt hat die Plastikflut auch auf unseren eigenen Körper einen Einfluss. Auch wenn Vegetarier keine Meerestiere essen, die vorher Plastikteilchen verschluckten. In Nahrungsmittel, die in Plastik verpackt oder abgefüllt sind, gelangen unter Umständen chemische Bestandteile, wie zum Beispiel Weichmacher (Phthalate). Einflussreich sind ebenso hormonähnliche Bestandteile, wie Bisphenol A (BPA). Diese alle wirken, wie bei anderen Tieren, auch auf den menschlichen Körper. Es ist also auch für uns selbst am besten, soweit es geht, auf Plastik zu verzichten.

Ein Einstieg zum Ausweg

Das Leben ohne Plastikbeutel, Plastikflaschen oder Plastik-Verpackungen von Obst, Gemüse und Fertigprodukten mag uns aus heutiger Sicht fast unmöglich erscheinen. Noch vor wenigen Jahrzehnten jedoch war dies Normalität, Eltern und Großeltern werden sich erinnern. Zum Einkauf nahm man Stoffbeutel mit, trank aus Glasflaschen oder einfach aus dem Wasserhahn. Und Fertigessen war verpönter, im Vergleich zu heute.

Um den Plastikfluss zum Meer zu stoppen, ist es auf der einen Seite wichtig, dass jeder einzelne einen Beitrag zur Vermeidung von Müll leistet. Eine einfache Strichliste, der in einem Monat verbrauchten Einkaufsbeutel oder gefüllten gelben Säcke sollte aufzeigen, wo Einsparpotential steckt. Die EU hat das Ziel auf 45 Einwegtüten im JAHR gesetzt. Auf der anderen Seite ist es von großer Bedeutung, wie gut die Entsorgung von Abwasser und Müll funktioniert. Vor allem in armen Staaten, aber auch in Ländern wie der USA und China, gelangt über Wasser, Wind und sorgloses Wegwerfen zu viel Müll in die Natur statt zu Müllentsorgung und Recycling. Würde man den Plastikmüll, der dadurch jährlich ins Meer gelangt auf einer Fläche von der Größe des Saarlandes ausbreiten, würde man mehr als knöcheltief im Abfall waten.

Einweg (c) veggie-kids.de

eine Einbahnstraße – das Symbol für Einweg

Wie unterscheiden sich Einweg- und Mehrweg-Flaschen?

Für Mehrwegflaschen gibt es meist 8 bis 15ct Pfand, für Einwegflaschen 25ct.

Mehrwegflaschen tragen meist einen Mehrweg-Aufdruck, den Umweltengel oder ein ähnliches Symbol.

Einwegflaschen sind mit der nebenstehenden Abbildung gekennzeichnet bzw. mit der Aufschrift ‘ohne Pfand’, diese am besten vermeiden.

Und Tetra Paks? das Verbundmaterial aus Kunststoff und Papier ist ebenfalls eine Einweg-Lösung, enthält Aluminium und und wird zudem nur zu ca. 35% recycled, wenn möglich regionale Mehrweg-Glasflaschen verwenden.

Im folgenden haben wir Tipps für Einsteiger und Profis zusammen gestellt. Auf jeden Fall werden beide davon profitieren, nicht mehr so oft den Müll runterbringen zu müssen.

für Einsteiger

  • Mehrwegflaschen, wiederverwendbare Trinkflaschen und Brotdosen verwenden
  • Leitungswasser trinken, spart Geld und Schlepperei (weiteres siehe Leitungswasser vs. Mineralwasser: Ein Vergleich)
  • immer einen Stoffbeutel dabei haben, praktisch sind diese in Beutel verwandelbaren Säckchen, die auch kess am Ranzen oder der Handtasche baumeln können (selber machen oMehrweg-Beutel (c) veggie-kids.deder am besten in Baumwoll-Qualität kaufen), ist auch ein schönes Geschenk und Mitbringsel
  • Müll nicht auf Ausflügen, in der Natur, am Strand liegen lassen
  • Müll trennen und der Wertstofftonne zuführen, dabei aber beachten, dass über die Hälfte davon zur Energiegewinnung in der Müllverbrennung landet
  • Nachdenken vorm Kaufen, Dinge lange nutzen, reparieren, tauschen, trödeln, verschenken, weitergeben, ausleihen…
  • Upcycling ist in – ganz neue Sachen aus alten gebrauchten basteln, nähen, herstellen
  • Deckel von Soja-Joghurtbechern entfernen und auch andere Mischkunststoffe einzeln in den Müll werfen, sonst werden sie in der Sortieranlage vom Computer nicht erkannt und zur Verbrennung statt zum Recycling geleitet, das Ausspülen von Bechern und Dosen ist unnötige Energieverschwendung
  • über Projekte informieren und diese unterstützen

für Profis

  • auf Plastik verzichten, soweit es möglich ist, vom Geschirr über Behälter bis zur Shampoo-Flasche, Geräte, CD-Hüllen, Schreibwaren wie Füller und Scheren, Haushaltgeräte, Wegwerf-Windeln, Auto, Fensterrahmen, Plastik steckt auch in Fleece-Klamotten, Plüschtieren, Ranzen– am besten klein anfangen…
  • Ideen gibt es auf der Webseite ‘ichnehmsohne.com‘ und ein Experiment: Eine Woche ohne Verpackungsmüll
  • Nahrungsmittel auf dem Markt, an der Theke, etc. ohne Plastikverpackung kaufen, es gibt bereits erste Läden speziell ohne Einwegverpackungen original-unverpackt.de
  • Kosmetik, die Mikroplastik enthält (BUND-Liste als PDF), denn auch solche Mikroplastik landet verstärkt in unserer Nahrung
  • selber, mit und für Freunde, Familie & Co. kochen, statt verpackte Fertigprodukte zu verwenden

Über Erfahrungen, weitere Ideen und Ratschläge freuen wir uns in den Kommentaren. An welchen Plastikprodukten kommt man im Alltag aber kaum vorbei?

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